Bei
seinem MET-Debüt als Tristan, (...) hatte der holländische
Tenor Jacques Urlus (1987-1935) eines der größten Fiascos
in der Geschichte der MET verursacht. Nach einem Zeitungsbericht geschah
folgendes: Größte Hoffnungen hatte man in Herrn Urlus
gesetzt, der Herrn [Carl] Burrian [seit 1906 ersten Heldentenor der
MET] ersetzen sollte... Herr Toscanini hatte sich, wie es hieß,
sehr erfreut über den neuen Sänger des Tristan ausgelassen,
und als er im ersten Akt die Bühne betrat, schien er vielversprechend.
Endlich einmal sah das Publikum in der Partie einen Mann, der die Illusion
des guten Ritters unter einem schlechten Stern überzeugend erfüllte.
Er hatte die Statur und die Würde für einen Tristan. Er wirkte
wie ein Held. Mehr noch, in der ersten Szene hatte er auch die Stimme
eines Helden.' Doch schon Mitte des Aktes war er hoffnungslos heiser,
und an dessen Ende drehte er dem Publikum den Rücken zu und weinte.
Ersatz war nicht zur Hand. Burrian war auf dem Heimweg nach Europa,
und der Italiener Edoardo Ferrari-Fontana ersetzte Burrian in Boston.
Urlus machte weiter, aber Johanna Gadski mußte im Liebesduett
- eine glänzende Demonstration von Nerven in Todesgefahr'
- einzelne seiner Phrasen singen. Akt III wurde als Pantomime aufgeführt.
Der Niederländer rehabilitierte sich rasch, und wenig später
wurde er, als Partner Fremstads, Jean de Reszkes würdiger Nachfolger
als Tristan und zugleich der bedeutendste Vorgänger Melchiors."
(Kesting, J. 1986, S. 245-6)